
«Wer neu hinzukommt, profitiert von Leistungen, die andere über lange Zeit aufgebaut und finanziert haben. Deshalb ist es legitim, zu fragen, welchen Beitrag Zuwanderer zur Gesellschaft leisten». (Konrad Hummler, NZZ, 23.6.26)
Im Regal des Zeitungskiosks sehe ich nur den Lead zu Hummlers Artikel und frage mich, in welche Kerbe die NZZ da wieder mal haut. Wenn wie hier die Frage so gestellt wird als ob sie bereits die Antwort wäre, dann würde sie ja bestens aufs Albisgüetli passen. Interessant wären aber die Antworten. Ich weiss nicht, ob Hummler ihnen in seinem Artikel nachforscht. Sie aber würden bestimmt nicht mehr ins Albisgüetli passen.
Wer sind denn eigentlich die „andern“, die da über lange Zeit etwas aufgebaut haben? Sind es nicht zu einem sehr beträchtlichen Teil eben „Hinzugekommene“. Selbst Blochers Urgrossvater gehörte zu Ihnen, ebenso wie Hummlers Parteikollege Cassis. Wo wäre der Gotthardtunnel ohne die italienischen Arbeiter? Was wäre ein heutiger Pflegealltag in einem Spital ohne die Zugezogenen?
Nein, diese „neu Hinzugekommenen“ sind nicht einfach die Profiteure, die sich in gemachte Betten legen, sondern sie haben seit Generationen für uns (und auch für sich) eben diese Betten gemacht. Dass sie immer noch (auch für die NZZ?) als Neulinge gelten, wo sie in anderen Ländern längstens naturalisiert wären, ist ein politisches Problem, das dringend gelöst werden müsste, was aber vertagt wird - eben damit man auf dem Albisgüetli aus der "Überfremdung" weiterhin Kapital schlagen kann.
So viel zum “Aufbauen“. Was die Finanzierung der gemachten Betten angeht, ist die Sache auch etwas komplizierter als es der Lead zu Hummlers Artikel insinuiert. Die Fremden waren auch da schon immer mit dabei, allerdings oft in Rollen, derer wir uns heute schämen müssten. Der ehemalige Privatbanquier Hummler weiss das aus eigener Erfahrung. Es würde sich aber lohnen, mindestens noch eine second opinion bei Public Eye einzuholen. Wie war denn das z.B. genau mit den Neuenburger Banquiers und ihrem Handel mit Indiennes und Sklaven?

"Muttu Physiologus lesen", könnte der Ameisenbär hier sagen.
